Als eines der bedeutendsten europäischen Graphikmuseen verfügt die Graphische Sammlung der ETH Zürich über exzellente Bestände zeitgenössischer Druckgraphik. In der Konzentration auf den Schweizer Kunstraum macht diese Ausstellung die Vielfalt und Ausdruckskraft dieser Kunst fassbar. Viele der vorgestellten Künstlerinnen und Künstler sind international bekannt. Zu ihnen zählen John Armleder, Miriam Cahn, Martin Disler, Helmut Federle und Franz Gertsch.
Seit den 1980er Jahren experimentieren Künstlerinnen und Künstler mit neuen Techniken. Drucken wird von ihnen als physisch erfahrbarer Prozess beschrieben. Miriam Cahn zum Beispiel benutzte für ihre Kaltnadelblattfolge „soldaten, frauen + tiere“ (1995) Handschuhe, die sie an den Handballen und Fingerkuppen mit groben Sandpapier beklebte. Das erlaubte ihr, unmittelbar mit den Händen die Druckform zu bearbeiten.
Eng verbunden mit dem körperlichen Erleben während der Bearbeitung der Druckform sind die dargestellten Themen: Im Zentrum steht z.B. bei Martin Disler und Josef Felix Müller der Mensch als physisches und psychisches Wesen. Demgegenüber sind die Arbeiten etwa von John Armleder, Helmut Federle, Jean-Luc Manz oder Olivier Mosset mehr abstrakt-konkret ausgerichtet. Anregungen zu geometrischen Bildkompositionen boten diesen Künstlern Wahrnehmungen ihrer alltäglichen Umgebung oder subjektives Erleben. Dieses Formenrepertoire wandelten sie frei ab oder liessen es durch Zufälligkeiten bestimmen. Eine allein von mathematischen Regeln hergeleitete Kunst, wie sie etwa Max Bill oder Richard Paul Lohse vertraten, lehnten sie ab.
Scheinbar allgemein verständliche Bildinhalte schufen Künstlerinnen und Künstler gegen Ende der 80er und in den 90er Jahren, indem sie visuelle Elemente aus der Welt der Konsumgüter, aus den Massenmedien oder der Trivialkultur in ihre Werke einbetteten (Silvia Bächli, Ian Anüll, Nic Hess, Fabrice Gygi). Was beim ersten Augenschein als einfache Nachbildung bestehender konventioneller Zeichen gelesen werden kann, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als subversiver Akt: Tradierte ikonische oder sprachliche Bedeutungen werden ins Wanken gebracht, indem solche vertraute Zeichen und Figuren aus ihrem Zusammenhang gelöst und in einen neuen Kontext versetzt werden.
Seit den frühen 1980er Jahren wenden sich Kunstschaffende wieder vermehrt alten, kaum mehr üblichen Techniken zu: etwa der Aquatinta (Marc-Antoine Fehr), Kaltnadelradierung (Mireille Gros), Heliogravüre (Balthasar Burkhard, Cécile Wick) oder dem Holzschnitt (Franz Gertsch). Häufig dienen Photographien als Ausgangsmaterial für druckgraphische Arbeiten. Aber trotz dieses Rückgriffs auf historische Verfahren, die früher wegen ihrer differenzierten Schwarz-Weiss-Wiedergabe zur Vervielfältigung von Kunstwerken eingesetzt wurden, steht der individuelle, künstlerische Duktus im Mittelpunkt und nicht die möglichst exakte und technisch perfekte Wiedergabe der Vorlage.
Das Sampling verschiedenster Medien ist für junge Kunstschaffende zur Regel geworden. Sie arbeiten mit dem Computer und Printer und übertragen dann die so entstandenen Bildvorlagen in die traditionellen Drucktechniken und bearbeiten sie damit weiter (Dominique Lämmli, Kerim Seiler, Christian Vetter). So entstehen hybride Formen, die zwischen Druckgraphik, Photographie und Computerbild pendeln.
Generaldirektor: Jean-Hubert Martin
Kurator: Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann
Katalog: Es erschien die Publikation „Schweizerische Druckgraphik im 20. Jahrhundert“ von Eva Korazija mit einem Beitrag von Bernadette Walter
Preis: 45,00 Euro
Ausstellungsumfang: 150 druckgraphische Arbeiten
Sponsor: Pro Helvetia
Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag, 11-18 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 4,50 Euro, erm. 2,50 Euro
Öffentliche Führungen: 05.07.06, 17.00 h
Kuratorenführungen: 12.07.06, 17.00 h
Sponsor:



