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Europa und die Fremde
Das erste Kapitel der Sammlungspräsentation beleuchtet Prozesse des Kulturtransfers über Ländergrenzen und Erdteile hinweg, stellt Fragen nach der Wechselwirkung von europäischer und außereuropäischer Kunst. Epochenübergreifend berührt das Thema die durch die Kunst begründeten transnationalen und globalen Identitäten.

Über eine Schleuse mit Werken aus dem Umkreis der Künstlerbewegung ZERO wird der Besucher in andere, meditative Welten getragen. Im Zentrum steht dann der Dialog zwischen Orient und Okzident. Ein Modell des Kulturtransfers ist hier die venezianische Kunst. Am Rande von Europa war Venedig als Drehscheibe des internationalen Handels eine bedeutende
Kulturmetropole. Der Sammlungsschwerpunkt norditalienischer, insbesondere venezianischer Malerei (Bellotto, Guardi, Magnasco, Ricci) ist einer Auswahl orientalisch-arabischer und italienischer Metall-, Holz- und Elfenbeinarbeiten
gegenübergestellt.

Aufwendig gearbeitete Seidengewebe mit Lotusblüten, Flechtbandkufi und anderen vegetabilen Motiven verdeutlichen, wie sehr die europäische Seidenweberei orientalischen Vorbildern verpflichtet war. Außereuropäische Einflüsse wirken noch heute auf die hiesige zeitgenössische Kunst (M. Buthe). Als Gegenüberstellung dazu veranschaulicht eine Sequenz von Gemälden und Objekten die Faszination des ‚Fremden’ („Sibylla Agrippina“ von A. Janssens, Slevogts „Sieger“). Umgekehrt hält der Blick von außen auf Europa dessen koloniale Attitüde vor Augen („The world’ s climax“ von B. Toguo zum Thema Immigration).

Ungebrochen wird der missionarische Eifer dagegen im Gemälde L. Mazzantis (17. Jh.) und der Eroberungsmythos im Gemälde „Die Wikinger erobern Amerika“ des Düsseldorfer Malerschülers E. Leutze dokumentiert. Als Exkurse zum Thema treffen in den angrenzenden Kabinetten Steinskulpturen der Khmer auf eine steinerne zeitgenössische Bodenskulptur (Rückriem), begegnen
sich abstrakte Kunst und Ornament (islamische Handschriften und
Illuminationen, Werke des Informel und von W. Baumeister).

Das Zusammenspiel von Kunst, Spiritualität und Natur als das übergreifende Thema dieses Raumes bekommt durch eine Sonderausstellung im mittleren Kabinett einen zusätzlichen starken Akzent. Eine großzügige Schenkung japanischer Netsuke wird hier in großer Vielfalt vorgestellt. Ihre Blütezeit hatten
diese Miniaturskulpturen, die dazu dienten, kleine Behältnisse am Gürteltuch zu halten, vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.
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Max Slevogt. Der Sieger. 1912.
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