Erinnert wird an die kurfürstlichen Wurzeln unserer Sammlung und an Schenkungen als Ausdruck bürgerlicher Sammelleidenschaft. Von der legendären Gemäldegalerie des Großen Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (volkstümlich Jan Wellem, 1658-1716) und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa von Medici (1667-1743) sind mehr als vierzig Werke, mehr als bislang vermutet, in Düsseldorf verblieben. Eine Auswahl der schlummernden Schätze aus dem ehemaligen Stadtschloss und dem Jagd- und Lustschloss Bensberg bei Köln wird hier erstmals präsentiert (Herman de Myn).
Erinnert wird zugleich an die ursprünglichen Präsentationsformen der Kurfürstlichen Sammlung, die von Nicolas de Pigage 1778 in einem Stichwerk überliefert wurden: Die Gliederung der Gemälde erfolgte nach Schulen und Gattungen wie Porträt, Genre, Stillleben, Landschaft und Historie. Die Werke wurden nach einem symmetrischen, spiegelbildlichen Muster übereinander gehängt.
In einer Gruppe von Familienbildnissen (Simon Meister), bürgerlichen und bäuerlichen Szenen und Stillleben wird einerseits die bürgerliche Lebenswelt und Geschmackskultur (‚Hollandismus’), andererseits die höfische Prachtentfaltung (Tafelzier) veranschaulicht. Die weiten Überblickslandschaften
mit niedrigem Horizont haben niederländische Ursprünge (Borssom, Dücker). Den Kontrapunkt dazu bildet die Hinwendung zur Natur in bürgerlich-sentimentalen Memorial- und romantischen Stimmungs-Landschaften von P. Weitsch, C.D. Friedrich oder C. Dahl.
Der ‚Rubensraum’ mit der darüber liegenden ‚Ahnengalerie’ und der ‚Galerie der Dekorationsmaler’ wird wie zu kurfürstlichen Zeiten mit den Büsten des Herrscherpaares von Grupello eröffnet. Die technische und künstlerische Virtuosität des ‚Hofstatuarius’ war beachtlich, das verdeutlichen auch die wunderbaren Bronzefiguren „Minerva“ und „Paris“ oder die Darstellung der „Maria vom Siege“ in Holz. Mit seinem international gefärbten italoflämischen
Stil und seiner hochgeachteten Stellung am Hofe ist Grupellos Werk kennzeichnend für die Strömungen der Kunst um 1700 und das Verhältnis des Künstlers zu seinem Auftraggeber.
An erster Stelle eröffnet Douvens „Reiterbildnis des Kurfürsten“ die Bildergalerie, am Ende des Saales als Höhepunkt prangt „Die Himmelfahrt Mariae“ von Rubens, flankiert auf der einen Seite von biblisch-historischen Gemälden und Skulpturen, auf der anderen Seite von erotischen Szenen (van der Werff), die dem persönlichen Geschmack des Kurfürsten folgten. Die steife Rhetorik der Bildnisse in der darüber liegenden ‚Ahnengalerie’ wird
in zeitgenössischen Arbeiten (2002-04) der Bildhauerin Alke Reeh gespiegelt. Die Wand- und Deckenmalereien der am Hof tätigen Maler Giovanni A. Pellegrini, Antonio Bellucci und Domenico Zanetti sind meist nur noch in Entwürfen erhalten.
Hof und Bürgertum
| ![]() Peter Paul Rubens. Venus und Adonis. Um 1615 Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf NRW |

