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Expressionismus und Mittelalter
Das Museum weist eine hochkarätige Sammlung mittelalterlicher Skulptur und expressionistischer Malerei auf, die hier mit Bedacht miteinander konfrontiert werden: Die expressionistischen Künstler sahen in der Kunst des Mittelalters, besonders in den Werken der Romanik und Gotik, Vorläufer für ihre eigenen
neuen Ausdrucksformen, über Proportionen frei zu verfügen, die gegenständlichen Details zu abstrahieren und die Farbe als Ausdruckswert symbolisch einzusetzen: Antithetisch zum Naturalismus gab der Expressionismus dem Künstler in der Form- und Farbbehandlung große subjektive Freiheit. In der Konzentration auf die Darstellung eines inneren Geschehens spannt sich hier ein Bogen über Epochen.

Die Skulpturen stehen in der Raummitte und werden von der expressionistischen Malerei an den Wänden umrahmt. Von den Skulpturen sind besonders hervorzuheben: die „Thronende Muttergottes“ des Erminoldmeisters, in Regensburg um 1290 entstanden, die Gruppe „Anna Selbdritt und Joachim“,
Niederrhein, um 1500, und die bewegte Christophorus-Figur des Meisters von Ottobeuren (Hans Thoman ?), 1515/20. „Der Stammbaum Christi“ ist in einem reich verschlungenen Relief der Wurzel Jesse aus Schwaben, um 1490, im Sinne der Prophezeiung des Jesaja zur Darstellung gebracht.

Innerhalb der Gruppe von expressionistischen Gemälden verdienen beispielsweise vier Werke Ernst Ludwig Kirchners Beachtung. Sein Bildnis des Archäologen Botho Graef projiziert konsequent alle Bildgegenstände auf farbigflächige Motive, die wie mittelalterliche Emailarbeiten - die ebenfalls hier im Raum präsent sind - ineinander eingepasst sind. Das Gemälde „Die
Füchse“ von Franz Marc hat in seinem hohen Abstraktionsgrad die
Ausdrucksqualität mittelalterlicher Glasfenster. Spirituelle Leuchtkraft der Farbe zeichnet auch Emil Noldes Gemälde „Gelehrter mit Mädchen“ aus.

In den Kabinetten werden mittelalterliche Graphiken, der aufgeklappte Dreikönigsaltar vom Oberrhein, vollendet 1516, mit den bemerkenswerten, geschnitzten Seitenflügeln der „Heiligen Sippe und der Marter der Zehntausend“ präsentiert. Daneben hat Joseph Beuys noch zu Lebzeiten einen eigenen Raum mit „He Came Bringing Tallow“ von 1983 eingerichtet. Werke von Beuys und aus dem Mittelalter wurden schon mehrfach in Ausstellungen
in aufschlussreiche Dialoge gestellt. Eine in die Wand installierte Arbeit von Klaus Rinke antwortet darauf. Werke von Barlach, Cranach, Beckmann, Wollheim ergänzen das Raumensemble.

Eingangs werden im „Achtecksaal” und im angrenzenden Vorraum
Einblicke in das Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene, seit 2002 im museum kunst palast angesiedelt und von der Kunststiftung NRW gefördert, geboten. Die zeitgenössische Fotosammlung wie auch aktuelle Arbeitsergebnisse und Ankäufe aus allen Abteilungen werden hier ebenfalls wechselnd gezeigt.
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Thronende Muttergottes
Erminold Meister, Regensburg um 1290.
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Emil Nolde
Gelehrter mit Mädchen, um 1919
Öl auf Leinwand
Copyright: Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Neukirchen
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